Schloss Neuenbürg
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Schloss Neuenbürg Sagen & Legenden
Es war einmal...
Die Enz-Jungfrau
Eine Sage aus Neuenbürg ...
Die Enz-Jungfrau
Dort, wo die sagenumwobenen Wasser der Enz schon seit tausenden von Jahren in still flüsternden Reigen ihren Weg nehmen, wo des Nachts die Elfen an den Ufern der Enz tanzen, liegt der verträumte Ort Neuenbürg. Hoch darüber, auf dem Schlossberg, stehen still und doch immer noch ehrfurchtgebietend die Reste der einstigen Burg Neuenbürg. Gegenüber, auf der anderen Seite der Enz, findet man noch heute die spärlichen Überreste der sogenannten Waldenburg, die man auch die Wolkenburg nennt.
Einst, so erzählt man sich, gab es zwischen diesen beiden Burgen einen unterirdischen Gang, der sogar unter der Enz durchführte. Dieser Gang sei jedoch verschüttet und somit für alle Zeiten unzugänglich. Prächtig müssen die beiden Burgen einst ausgesehen haben, und damals stand der Ort Neuenbürg wohl in voller Blüte. Neuenbürg ist noch heute ein schöner Platz. Wen wundert es da, dass man sich von diesem Ort eine der schönsten Sagen des Schwarzwaldes erzählt. Es ist die Legende der schönen Enzjungfer.
Von ihr erzählt man, dass sie einen unterirdischen Schatz hüte, der in dem verschütteten Gang liegt. Ein nächtlicher Wanderer, der auf der Wolkenburg eine kurze Rast eingelegt hatte, habe sie dort schon singen gehört. Und eben von dieser Burg aus sieht man sie des Nachts umherwandeln, und ihr Weg führt dabei über die Schößleinsbrücke bis in das alte Schloss, welches vor den Ruinen der alten Burg Neuenbürg steht. Dort im Schlosspark soll man nachts auch ein helles Licht sehen, das vom Klingen zweier aufeinandertreffender Schwerter begleitet wird und zuweilen bis hinunter an die Enz gelangt, um dort im Wasser zu verlöschen. Bei diesem Licht handle es sich um die armen Seelen zweier Rittersleut, die sich einst, um die Gunst der schönen Jungfer kämpfend, mit dem Schwert schlugen. Der Kampf der beiden soll sehr lange gedauert haben und bis hinunter an die Enz geführt haben. Dort seien die Ritter, ihrer schweren Verletzungen wegen, jämmerlich ertrunken. Dies ist vielleicht der Grund, warum die Jungfer umgehen muss; geschah doch wegen ihr damals ein so schreckliches Leid. Schon etliche Recken haben versucht, die Jungfer zu erlösen, doch es ist keinem gelungen. Auch ein Birkenfelder hatte es nicht geschafft. Was ihn wiederfuhr, ist wie folgt überliefert.
Der Mann, der am Ufer der Enz verweilte, sah eben an der Stelle, an der die Ritter ertranken, einen wunderschönen, weißen Schwan herbeischwimmen. Weil ihm das edle Tier so gefiel, warf er dem Schwan drei Brocken von seinem Brot zu. Da geschah, wie der Mann später berichtete, ein unsagbares Wunder. Der Schwan verwandelte sich in einen kleinen Kahn, der ganz von leuchtendem Gold war, und in diesem Kahn saß, schön wie der lichte Morgen, die Enzjungfer. Die Jungfer sprach mit lieblicher Stimme zu dem Mann und sagte zu ihm, dass er in der folgenden Nacht zur Geisterstunde hinauf auf das alte Schloss gehen solle. Dort würde er einen Stein finden, und diesen solle er auf die Seite rücken. Darunter befinde sich eine Treppe, die in ein unterirdisches Gemach führe. In diesem Gemach würde er einen guten Fund machen.
So tat der Mann, wie ihm geheißen. Zur Mitternachtsstunde ging er auf das Schloss. Er fand auch den Stein und rückte ihn mit viel Mühe zur Seite. Wie erwartet, befand sich darunter eine lange Treppe, die zu einem Gemach führte. An der Wand aber hing ein schauerliches Menschengerippe an einem Halseisen. Bei dem Gerippe befand sich ein Topf und darinnen drei alte Kirschkerne. Das jedoch war dem Mann zu wenig. Deshalb ging er wieder nach Hause.
Später kam der Mann voller Eifer noch einmal zurück, denn ein Bekannter hatte ihm geraten, die Kerne zu holen. Sie seien wahrscheinlich aus purem Gold. Doch solange der Mann auch suchte, den Stein fand er niemals wieder. Der Sage nach würden sich die Kerne in drei Schlüssel verwandeln, wenn man sie aufnehme. Mit diesen Schlüsseln könne man eine Tür in dem Gemach öffnen. Darin befinde sich der Schatz, und damit wäre auch die Jungfer erlöst. Doch bis zum heutigen Tag hat niemand diese Steine gefunden. So konnte die Enzjungfer auch niemals erlöst werden. Deshalb wandelt sie noch immer dort in Neuenbürg an den Ufern der geheimnisvollen Enz.
Aus: Steve & Sickinger, Sagen aus dem Schwarzwald (2 Bde), Jost-Jetter Verlag Heimsheim, 1994-96 (ISBN 3-931 388-05-0)
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages
Eine Sage aus Neuenbürg ...
Eine Sage aus Neuenbürg ...
Der Richtplatz
Aus gar finsteren Tagen wird uns die Sage vom herrschsüchtigen Grafen zu Neuenbürg überliefert. Dereinst soll dieser so manche Greueltat begangen haben, von denen hier nur die eine genannt sei.
Über die Landesgrenzen hinaus war der Herr der Trutzburg zu Neuenbürg ob seiner Hartherzigkeit und Grobschlächtigkeit berüchtigt. Einsam herrschte er auf seiner Feste, die auf dem höchsten Berge in der Umgebung errichtet worden war. Seine Untertanen und Leibeigenen hatten ein schweres Los, denn sie mussten einmal im Monat die Hälfte ihrer Hände Arbeit auf die Burg bringen. Dies verlangte der Graf als Gegenleistung dafür, dass der den Neuenbürgern Schutz vor Feinden und Beistand bei Auseinandersetzungen und Streitigkeiten gewährte. Doch der reiche Burgherr war nicht glücklich mit seinem Dasein. Zu oft überwältigte ihn die Einsamkeit, und des Nachts sehnte er sich nach der Wärme einer Frau an seiner Seite. So ließ er denn durch seinen Herold die Kunde im ganzen Reich verbreiten, dass er ein Weib suche und diejenige ehelichen wolle, die seinen Vorstellungen entspräche – sei sie von edlem Geschlecht oder die Tochter eines Bauern. Entschlossen gab er den Befehl an seine Soldaten, am kommenden Fronleichnamstage sämtliche unverheiratete Frauen und Mädchen aus seinem Herrschaftsgebiet auf die Burg zu bringen und sie auf dem Burghof zu versammeln. So geschah es denn auch, und am heiligen Fronleichnamstag war der Burghof erfüllt von Frauen jeden Alters, die sich ängstlich aneinanderdrängten. Nicht eine von ihnen war darauf aus, die Auserwählte zu sein, war der Kerl doch ein derber Kerl, von massiger Statur und mit wettergegerbtem Gesicht. Keine der Anwesenden hätte es jedoch gewagt, einen Antrag des Herrn abzulehnen, war doch eine harte Bestrafung und der Zorn des Grafen zu befürchten. So ergaben sie sich stumm in ihr Schicksal und harrten der Dinge, die da kommen würden. Zur Mittagszeit erschien der Graf, in feinste Seide und edelstem Samt gekleidet. Als er den Burghof auf und ab ging, um die Frauen genauer zu betrachten, blieb sein Blick auf der jüngsten Tochter des Dorfschmieds ruhen. Seine Augen erstrahlten, als er das Mädchen bat, einen Schritt vorzutreten. Sie war eine wahrhaftige Schönheit – ihr rotes, gewelltes Haar fiel ihr glänzend über die zierlichen Schultern, und ihr Antlitz glich dem eines Engels. Mit ihren siebzehn Jahren übertraf sie an Schönheit und Anmut alle Anwesenden. Da schickte der Burgherr die übrigen Weiber dahin zurück, wo sie hergekommen waren – nur die Tochter des Schmieds sollte hierbleiben, da er etwas mit ihr zu besprechen habe. Als wieder Ruhe auf der Burg Neuenbürg eingekehrt war, hieß er das Mädchen zu sich und erklärte ihr, dass sie seine Frau sei, die er sich schon immer gewünscht habe, denn sein Herz war in tiefer Liebe zu ihr entbrannt. So sollte sie schon bald neben ihm als Gattin über die Gegend herrschen. Da sprach das Mädchen: „Edler Herr, es tut mir leid, doch ich kann nicht Eure Gemahlin werden. Ich liebe einen anderen, dem ich bereits meine Hand versprochen habe. Ich bitte Euch sehr, habt Verständnis und lasst mich gehen!“ Erzürnt über die Antwort des Mädchens fegte der Graf mit einer ausholenden Bewegung seines Armes alle Becher und Teller vom Tisch, der vor ihm stand. [...] Zornig brüllte er nach seinen Wachen, die die Unverschämte sofort vor das Burgtor werfen sollten. Diese packten das weinende Mädchen und gehorchten dem Befehl ihres Herrn.
Am darauffolgenden Tag bezichtigte der Graf von Neuenbürg als oberster Gerichtsherr in diesem Gebiet aus Rache die Tochter des Schmieds der Hexerei und Ketzerei. Man habe in ihrer Kammer gar mancherlei Hexenhandwerkszeug sowie einen weißen Ziegenbock, eine Krähe und drei Fledermäuse gefunden. Ihr Hexenkessel habe noch über dem Feuer gehangen, gefüllt mit einem übelriechenden Zaubertrank. Aufgrund dieser eindeutigen Tatsachen wurde sie zum Tode auf den Scheiterhaufen verurteilt. Und sollte noch am selben Tage hingerichtet werden. Daraufhin wurde das Mädchen gefangengenommen, in einen alten Sack gekleidet, und man schnitt ihr die schönen, langen Haare ab. Um die Vollstreckung genau mitverfolgen zu können, ließ der Graf auf dem seiner Burg gegenüberliegenden Berg ein Stück Wald roden und dort einen Richtplatz erbauen. [...] Spät am Abend wurde dann das unschuldige Mädchen auf den Richtplatz geführt und an den Pfahl gebunden. Der Henker nahm eine brennende Fackel in die Hand und wartete nur noch auf das Zeichen des Richters, das Urteil zu vollstrecken. Auf dem gegenüberliegenden Berg schwenkte der Graf nun eine weiße Fahne, was das vereinbarte Zeichen war. Langsam schritt der mit einer schwarzen Kapuze bekleidete Henker zum Scheiterhaufen und steckte ihn in Brand. Die heißen Flammen züngelten gierig über das trockene Reisig, das schnell zu lodern begann. Da stieß das brennende Mädchen in ihrem Schmerz einen letzten Fluch aus: „Du, den ich zurückgewiesen, verdammt seist Du auch noch nach Deinem Tode. Frevel hast Du an mir begangen und mich unschuldig aus gekränkter Eitelkeit hinrichten lassen – Ziegenbock und Fledermäuse hast Du mir untergeschoben – so höre nun dies: So lange Gott Gott heißt, sollst Du auf Deinem gottlosen Berge verflucht sein und alljährlich dort erscheinen und Ruhe finden nimmermehr!“
Das Mädchen musste einen qualvollen Tod erleiden, doch der Graf starb schon wenige Monate später. Der Fluch des Mädchens ging in Erfüllung, und so muss der Graf nun jedes Jahr, stets zu Fronleichnam, aus seinem Grabe steigen. In Gestalt einer großen, schwarzen Fledermaus sitzt er dann des Nachts auf dem eisernen Kreuz der Burgkapelle und muss so bis zum nächsten Morgen in Richtung des einstmaligen Richtplatzes starren, wo die Schreie der Sterbenden längst verhallt sind.
Darum sei wachsam in der Nacht nach Fronleichnam, denn auch heute noch kann man in dieser besonderen Nach die Fledermäuse auf der Kapelle am Neuenbürger Schlossberg sitzen sehen.
Aus: Steve & Sickinger, Sagen aus dem Schwarzwald (2 Bde), Jost-Jetter Verlag Heimsheim, 1994-96 (ISBN 3-931 388-05-0)
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages
Zusammenfassung des Mächens...
Das kalte Herz
Im „kalten Herz“ unterscheidet der Dichter Wilhelm Hauff den badischen vom württembergischen Teil des nördlichen Schwarzwalds. Während sich in Baden die Menschen im wesentlichen mit der Herstellung von Glas und Uhren beschäftigten, lebten die Württemberger hauptsächlich vom Flößen. Das Märchen erzählt das Schicksal eines Kohlenbrenners mit dem Namen Peter Munk.
Peter Munk ist mit seinem Leben als Köhler nicht zufrieden. Der Wohlstand anderer führt ihm die eigene armselige Existenz schmerzhaft vor Augen. In dieser Situation fallen ihm die Geschichten vom Glasmännlein und vom Holländer-Michel ein, die bereits einige andere Menschen zu respektablem Ruhm und Reichtum verholfen hätten.. Wenn ihn nur der komplette Vers vom Schatzhauser im Tannenwald einfiele, dann würde ihm das Glasmännlein zu Wohlstand verschaffen.
Eines Tages macht er sich nach dem dunklen Tannenbühl auf, wo die Menschen den Wohnort des Glasmännleins vermuten. Aber weil er die richtigen Worte nicht findet, bleibt die Erscheinung aus. Statt dessen beginnt es ordentlich zu spuken, und Peter flüchtet in eine abgelegene Flößerhütte. Dort erzählt ihm der Großvater der Familie die Sage vom Holländer-Michel, einem sowohl tüchtigen als auch ehrgeizigen Riesen, der das Floßholz bis nach Holland gebracht hatte und aufgrund des zusätzlichen Gewinns zu sehr viel Geld gekommen war. Aber mit dem Geld waren auch schlechte Worte, Trunk, Spielsucht und andere schlechte Sitten in den Schwarzwald gelangt. Seitdem spuke Michel im Wald, so berichtet es der Greis dem Peter Munk. in der Hütte.
Durch eine zufällige Begebenheit hört Peter Munk am nächsten Morgen von vorbeiziehenden Burschen die komplette Version des Schatzhauser-Liedes. Er stürzt sofort in den dichten Wald zurück, um das Glasmännlein zu finden – und begegnet auf dem Weg dorthin der furchterregenden Gestalt des Holländer-Michel, der mit Reichtümern lockt. Aber Peter entwischt ihm und erbittet sich anschließend vom Glasmännlein die Erfüllung dreier Wünsche. Als erstes wünscht sich Peter die Fähigkeit, besser zu tanzen, als der beste Tänzer weit und breit. Als zweites erbittet er sich die schönste und reichste Glashütte zu seinem Besitz. Das Glasmännlein ist betrübt über die Wahl Peters und verweigert ihm deshalb zunächst den dritten Wunsch.
Peter Munk genießt sein neues Leben in vollen Zügen. Aber die Glashütte vernachlässigt über seine Wirtshausgänge, so dass sie eines Tages Konkurs geht. Er überschüttet das Glasmännlein deshalb mit Vorwürfen und vertraut sich dem Holländer-Michel an. Dieser verspricht ihm aus der Not zu helfen. Die Hilfe hat jedoch einen hohen Preis., Peters Menschlichkeit. Die Bedingung des Holländer-Michels lautet, Peter Munk möge ihm sein herz überlassen. Im Austausch dazu erhält er ein steinernes Herz, das ihn gegen jegliches menschliches Mitgefühl immunisiert.
Noch einmal kostet Peter seinen Reichtum und sein gesellschaftliches Ansehen voll aus. Doch sein Herz bleibt dabei kalt und ohne jede Gefühlsregung. Peter Munk ist zwar wohlhabend, aber hat ein Herz aus Stein. Allmählich spürt er die negativen Folgen seines unmenschlichen und sinnentleerten Daseins. Auf dem Höhepunkt seiner Krise erschlägt er im Jähzorn seine eigene Gattin Lisbeth, nur weil sie einem alten Bettler Almosen etwas geholfen hat. Ein Rest von menschlicher Regung pocht noch in Peters Brust. Er ist verzweifelt und beschließt deshalb, sich noch einmal dem Glasmännlein anzuvertrauen. Schließlich hat er noch einen einzigen Wunsch offen. Anstatt Peter Munk den dritten Wunsch zu erfüllen, verrät ihm das Glasmännlein, wie er durch eine List sein verlorenes menschliches Herz vom Holländer-Michel zurückerhalten könne. Die List funktioniert, und am Ende landet Peter Munk wieder am Anfang: als Köhler im tiefen Wald. Als auch seine geliebte Lisbeth wieder lebendig wird, freut er sich und lebt zufrieden bis an sein Ende.
